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Zukunftsszenario der möglichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei

Durch den Strukturwandel in Deutschland und die stärkere Ausrichtung auf Forschung, Entwicklung und Vertrieb lässt sich die Kooperation mit der Türkei hervorragend erweitern. Deutschland verlagert zunehmend Teile der physischen Produktion ins Ausland, während Wertschöpfung durch Dienstleistungen, Engineering und hybride Geschäftsmodelle steigt (ifo Institut, 2025; Sachverständigenrat Jahresgutachten 2025/26). Die Türkei wiederum richtet ihre Strategie klar darauf aus, potenzielle industrielle Aufgaben aus Deutschland zu übernehmen. Sie stärkt ihre Rolle als Nearshoring-Standort mit dem Ziel, stärker in europäische Wertschöpfungsketten integriert zu werden und Serienfertigung auf Basis deutschen Know-hows auszuführen (SWP-Studie „Industrie- und Lieferkettenpolitik der Türkei“, Aydın 2025).

Ein starkes Szenario, das viel Potenzial verspricht. Allerdings wird von wirtschaftspolitischen Institutionen darauf hingewiesen, an Rahmenbedingungen wie Schutz geistigen Eigentums, Modernisierung der EU–Türkei-Zollunion und bessere Governance-Strukturen zu arbeiten, damit diese Kooperation so effektiv wie möglich werden kann (DIHK „Nachbarschaftspapier“, 2024).

Diese Kooperation erfordert zudem eine zuverlässige digitale Infrastruktur, um hybride deutsch-türkische Teams effizient arbeiten zu lassen. Studien zeigen, dass digitale Vernetzung, Datenintegration und moderne IT-Strukturen zentrale Voraussetzungen für internationale Produktionspartnerschaften sind (IW Transformationskompass 2025). Weitere notwendige Kompetenzen sind interkulturelle Zusammenarbeit, Resilienz im Umgang mit Krisen sowie eine gemeinsame Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und EU-Standards (Nationaler Produktivitätsbericht 2025; SWP 2025).

Dieses Szenario lässt sich klar ableiten: Die bilateralen deutsch-türkischen Beziehungen ergänzen sich besonders in Zeiten globaler Krisen. Gleichzeitig stellt es Entscheidungsträger in Unternehmen vor neue Herausforderungen: internationale hybride Teams zwischen Deutschland und der Türkei, die digital zusammenarbeiten und innovative industrielle Lösungen entwickeln.

Ein großes Ziel, das Wachstum für beide Länder verspricht – aber Vertrauen, Offenheit und starke Kommunikation unter Zeitdruck voraussetzt.

Wie stellen Sie sich dieses Szenario für Ihre Organisation, Ihr Team und Ihre Partnerschaften vor?

Wir freuen uns auf Ihre Meinung!

Für diesen Blogbeitrag wurden die folgenden Ressourcen verwendet:

ifo Institut (2025): Strukturwandel im Verarbeitenden Gewerbe – Hybride industrielle Geschäftsmodelle

SWP – Yaşar Aydın (2025): Industrie- und Lieferkettenpolitik der Türkei. Ziele und Perspektiven für deutsch-türkische Wirtschaftskooperation

DIHK (2024): Nachbarschaftspapier – EU-Nachbarschaftsbeziehungen stärken (Abschnitt Türkei)

Sachverständigenrat (2025/26): Jahresgutachten – Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft

IW Köln (2025): Transformationskompass – Herausforderungen für Unternehmen in Deutschland

Nationaler Produktivitätsbericht (2025): Industrie, Emissionen und Strukturtrends

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Türkei als Fertigungsland: Chancen, Risiken und wirtschaftliche Perspektiven bis 2026

In diesem Blog möchten wir uns mit der Frage beschäftigen, „wie gut sich die Türkei als Fertigungsland eignet?“

Für diese Bewertung lässt sich das PEST-Tool nutzen, das ein Land anhand der vier Säulen Politik, Wirtschaft, Soziales und Technologie untersucht. Auf dieser Grundlage kann eine erste Einschätzung vorgenommen werden, bevor strategische und operative Planungen für einen Markteintritt entwickelt werden. 

In unserem ersten Blogbeitrag „Trotz geografischer Risiken ist die Türkei ein zentraler industrieller Partner“, wurde die strategische Positionierung des Landes im globalen Kontext analysiert und die wesentlichen Vor- und Nachteile herausgearbeitet. 

Der zweite Beitrag widmete sich der Bedeutung der Säule Resilienz in der heutigen Weltpolitik – insbesondere im Hinblick auf die Industriepolitik. Dabei wurden wichtige strategische Fragestellungen formuliert, die Produzenten und Fertigungsunternehmen zur Reflexion und aktiven Handlung anregen sollen. Ergänzend dazu wurde für diesen Beitrag die wirtschaftliche Lage der Türkei auf Basis der GTAI-Wirtschaftsdaten untersucht, die im Juni 2025 veröffentlicht wurden. Sie umfassen die zentralen Kennzahlen der Jahre 2023, 2024 und 2025 sowie Prognosen für 2026. Diese Daten ermöglichen Investoren einen klaren Überblick über den aktuellen Zustand der türkischen Wirtschaft und unterstützen sie dabei, Entwicklungen und Trends für zukünftige strategische Entscheidungen zu bewerten. 

Der GTAI-Bericht zeigt interessante Perspektiven, insbesondere im Hinblick auf die wirtschaftliche und soziale Dynamik des Landes. Die hohe Inflation der letzten Jahre hat das Konsumverhalten und die Erwartungen der Bevölkerung verändert – ein Aspekt, der als Entwicklungsbedarf hervorgehoben wird. Die demografische Lage bleibt positiv: Die Bevölkerung wächst von 87,5 Millionen im Jahr 2024 auf 88,8 Millionen im Jahr 2029 und weiter auf 90 Millionen im Jahr 2034. Die größte Bevölkerungsgruppe liegt zwischen 25 und 64 Jahren, die 2024 rund 53,6 Prozent ausmacht. Damit verfügt die Türkei weiterhin über ein breites und arbeitsfähiges Bevölkerungspotenzial.

Gleichzeitig haben wirtschaftliche Maßnahmen wie frühere Renteneintrittsoptionen eine Verschiebung im Arbeitsmarkt angestoßen. Während diese Reform den Zugang für junge Fachkräfte erleichtert, stellt sie Arbeitgeber vor Herausforderungen, insbesondere in einer Phase hoher Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit. Unternehmen bewerten Neueinstellungen daher teilweise als risikoreicher – auch weil Beschäftigte zunehmend Wert auf bessere Konditionen legen und Loyalität gegenüber Arbeitgebern abnimmt. Auch kulturell und sprachlich zeigt sich die Türkei offen: Im Geschäftsleben werden Türkisch, Englisch, Deutsch und Französisch verwendet, was ausländischen Investoren die Kommunikation erleichtert. Zudem verfügt das Land über umfangreiche Rohstoffvorkommen, die eine wichtige Rolle für industrielle Wertschöpfungsketten spielen.

Beim Wirtschaftswachstum zeigt die Türkei eine moderat positive Entwicklung. Nach 5,1 Prozent im Jahr 2023 liegt das Wachstum 2024 bei 3,2 Prozent, 2025 bei 2,7 Prozent und steigt 2026 wieder auf 3,2 Prozent an. Für 2027 wird ein Wert von 3,4 Prozent erwartet. Die Industrie bleibt dabei die dominierende Branche und trägt maßgeblich zur Bruttowertschöpfung bei. Allerdings besteht weiterhin Potenzial im Bereich Forschung und Entwicklung, das bislang nur schwach ausgeprägt ist.

Auf makroökonomischer Ebene zeigt sich eine positive Entwicklung der Inflationsrate: Sie sinkt von 58,5 Prozent im Jahr 2024 auf 35,9 Prozent im Jahr 2025 und weiter auf 22,8 Prozent im Jahr 2026. Die Arbeitslosenquote steigt 2025 leicht auf 9,4 Prozent, sinkt aber 2026 wieder auf 9,2 Prozent. Auch die Investitionsquote nimmt nach einem Rückgang 2025 im Jahr 2026 wieder zu. Die Staatsverschuldung hingegen steigt: von 26,0 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 27,1 Prozent im Jahr 2026. Ein Rückgang der Verschuldung ist im Bericht nicht erkennbar.

Deutschland bleibt weiterhin der wichtigste Handelspartner der Türkei, gefolgt von den USA und dem Vereinigten Königreich. Auf der Importseite dominieren China und Russland, erst danach folgt Deutschland. Die Türkei ist seit dem 1. Januar 1996 Mitglied der EU-Zollunion und verfügt zusätzlich über Freihandelsabkommen mit Ländergruppen außerhalb der EU sowie über zahlreiche bilaterale Abkommen. Diese internationale Vernetzung stärkt die Bedeutung des Standorts für europäische und globale Lieferketten.

Im deutsch-türkischen Dienstleistungshandel lassen sich Schwankungen erkennen, insgesamt zeigen die Zahlen jedoch eine positive Entwicklung sowohl im Export als auch im Import. Dies bestätigt die enge wirtschaftliche Verflechtung beider Länder und unterstreicht, dass die Türkei trotz bestehender Herausforderungen ein strategisch wichtiger Wirtschafts- und Fertigungspartner bleibt.
 

02

Resilienz als neues Industriemotto

Krisenmanagement ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensführung. Durch die Entwicklungen in der Weltpolitik – und damit auch in der Industriepolitik – reicht klassisches Krisenmanagement jedoch nicht mehr aus. Heute sprechen wir über Resilienzmanagement und darüber, wie wichtig es ist, sich persönlich und organisatorisch resiliente Kompetenzen anzueignen.

Die Prognos AG hat hierzu eine Studie auf vier zentralen Ebenen für Deutschland durchgeführt:

  1. Industrielle Abhängigkeiten
  2. Resilienz und strategische Souveränität
  3. Geopolitische Spannungen
  4. Europäische Rahmenbedingungen

Aus industrieller Perspektive wird den Unternehmen empfohlen, an der Transparenz ihrer Lieferketten zu arbeiten und ihre Strategien durch Resilienz zu stärken. Dabei bieten sich digitale Lösungen an, insbesondere Schlüsseltechnologien wie das Lieferketten-Monitoring.

Auf politischer Ebene ist staatliche Koordination und vor allem die europäische Zusammenarbeit von großer Bedeutung, da nationale Ansätze allein nicht mehr ausreichen. Dies erfordert staatliche Förderprogrammeintensive Forschung sowie internationale Partnerschaften.

Zudem wird dringend empfohlen, Faktoren wie Nachhaltigkeit und ESG-Standards zu integrieren – auch wenn dies kurzfristig zu höheren Kosten führen kann. Langfristig erhöhen sie die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit der gesamten Organisation.

Aus geopolitischer Perspektive wird besonders auf die Abhängigkeiten von China und potenziell unzuverlässigen Partnern hingewiesen, die sowohl die wirtschaftliche Stabilität als auch die Sicherheitspolitik gefährden können.

Eine enge Kooperation auf EU-Ebene kann die Resilienz erheblich stärken und Organisationen widerstandsfähiger gegenüber zukünftigen Herausforderungen machen. Die Fähigkeit zur Resilienz ist dabei entscheidend – Entwicklung und Erfolg können nur durch resilientes Handeln gesichert werden, unabhängig von den entstehenden Kosten.

Die Studie wirft mehrere Fragen auf, unter anderem:

  • Wie kann sich Europa unter den aktuellen Bedingungen – etwa höheren Produktionskosten – global wettbewerbsfähig positionieren?
  • Wie lässt sich das Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit gestalten?
  • Welche Organisationen sollten besonders gefördert und welche Branchen priorisiert werden?
  • Und schließlich: Sind die gestellten Anforderungen überhaupt realistisch erfüllbar?

Wenn Sie eine Führungskraft sind und erfahren möchten, wie Sie Ihre Organisation resilienter machen können, lade ich Sie herzlich zu meinem kostenlosen 90-minütigen Workshop ein.


Ich werde Ihnen zeigen, warum eine Evaluierung aus der Resilienz Perspektive heute so wichtig ist – und ihnen wertvolle Tipps aus meiner praktischen Erfahrung mitgeben.

01

Trotz geografischer Risiken ist die Türkei ein zentraler industrieller Partner.

Dabei wurden verschiedene Perspektiven beleuchtet – etwa zur Industriepolitik, zur globalen Lieferkette sowie zu den Chancen und Herausforderungen beim Ausbau der bilateralen Beziehungen. Auch für Deutschland wurden einige Empfehlungen ausgesprochen.

Die Türkei folgt einer langfristigen Strategie („Grand Strategy“), um ihre Unabhängigkeit zu stärken, und nutzt dabei Chancen für Partnerschaften auf globaler Ebene. Es lässt sich feststellen, dass der historische Hintergrund der deutsch-türkischen Beziehungen diese Partnerschaft weiterhin prägt. Deutschland genießt nach wie vor den Ruf eines der wichtigsten Handelspartner der Türkei. Die bestehenden Bemühungen im Bereich der Industrie- und Lieferkettenpolitik bestätigen und bekräftigen das gegenseitige Interesse an einer intensiven Zusammenarbeit.

In der Industriepolitik lassen sich Anstrengungen erkennen, die auf eine nachhaltige Entwicklung abzielen. Besonders gefördert werden Schlüsselbranchen wie die Automobilindustrie, die Energie- sowie die Verteidigungsindustrie. Zugleich bemüht sich die Türkei um eine Anpassung an EU-Standards, um sich als globaler Partner zu qualifizieren.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung eigener Exporte gegenüber Importen. Diese Fortschritte und die wachsende Rolle der Türkei im globalen Waren- und Dienstleistungssektor werden auch von Institutionen wie der Weltbank anerkannt.

Aufgrund ihrer strategischen Lage, der gut entwickelten industriellen Infrastruktur und der Anbindung an Europa, Afrika und Asien bietet die Türkei hervorragende Voraussetzungen für potenzielle Kooperationen – insbesondere in den Bereichen Automobilzulieferindustrie, Energie und Digitalisierung. Die Zollunion befindet sich zudem in einem Modernisierungsprozess, der durch verbesserte Rechtssicherheit und die Förderung von Investitionen unterstützt wird.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleiben jedoch Herausforderungen bestehen: mangelnde Rechtssicherheit, hohe Inflation und politische Unsicherheiten wirken weiterhin hemmend auf potenzielle Investitionen.

Für Deutschland stellt die Türkei dennoch einen sehr attraktiven Partner für eine vertiefte Zusammenarbeit dar – nicht nur aufgrund der geografischen Nähe, sondern auch unter der Voraussetzung, dass demokratische und rechtsstaatliche Standards weiter gestärkt werden. Es wird empfohlen, die bilaterale Kommunikation und Verhandlungen über verschiedene Plattformen – etwa das Energieforum, JETCO oder Wirtschaftsforen – zu intensivieren. Der Fokus sollte dabei auf gemeinsamen Interessen liegen, insbesondere auf der Sicherung von Lieferketten, der technologischen Transformation und der Förderung von Nachhaltigkeit. Ebenso ist die gezielte Steuerung von Investitionen in zukunftsweisende Projekte wie erneuerbare Energien und Digitalisierung von zentraler Bedeutung.

Insgesamt bleibt die Türkei trotz bestehender Konflikte und geografischer Risiken ein zentraler Akteur in der europäischen Industrie. Auf unterschiedlichen Ebenen präsentiert sie sich als zunehmend attraktiver globaler Partner.

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